Udo Jürgens (* 30. September 1934 in Klagenfurt; bürgerlich: Jürgen Udo Bockelmann) ist ein österreichischer Komponist und Sänger deutscher Abstammung. Er besitzt neben der österreichischen seit 2007 auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er ist einer der bedeutendsten Unterhaltungsmusiker des deutschen Sprachraums und stilistisch zwischen Schlager, Chanson und Popmusik einzuordnen. Signifikant für seinen Erfolg ist insbesondere die Summe von über 100 Millionen verkauften Platten weltweit, zudem komponierte er in seiner Karriere mehr als 900 Lieder.

Die Tournee wird ab dem 5. Februar in Köln fortgesetzt.

Der Sänger und Entertainer Udo Jürgens musste seine Konzerttournee nach dem Konzert in Zwickau auf Grund einer viralen Grippe-Infektion unterbrechen. Er hatte schon das Konzert in Zwickau zwei Lieder vor Schluss wegen Halsschmerzen und Stimmproblemen abbrechen müssen und sich zur weiteren Abklärung und Behandlung in Zürich in ärztliche Obhut begeben.

Da keine weiteren Komplikationen aufgetreten sind, wird Udo Jürgens seine Konzerttournee ab 05.02. in Köln fortsetzen können.
Udo Jürgens: „Es ist mir in meiner ganzen Karriere noch nie passiert, dass ich 4 Konzerte in Folge absagen musste. Aber es geht mir in der Zwischenzeit schon wieder viel besser und ich freue mich auf die Fortsetzung der Tournee. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Zuschauern für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen.“

Die ausgefallenen Konzerte werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, der zeitnah bekanntgegeben wird. Die Karten behalten selbstverständlich ihre Gültigkeit.

Der symbolträchtige 77. Geburtstag des Starentertainers Udo Jürgens wurde, wie nicht anders zu erwarten, mit einem medialen Feuerwerk geradezu zelebriert. So erklärten ARD und ORF die Ausstrahlungstermine des TV-Zweiteilers „Der Mann mit dem Fagott“ zu eigentlichen „Udo Jürgens – Tagen“. Eine Ehre, die nur wenige Künstler bereits zu Lebzeiten erfahren dürfen. So war der multivalente Musiker und Komponist nicht nur in Konzertaufzeichnungen, sondern auch in den Talkshows von Vera Russwurm und Reinhold Beckmann präsent. Für Udo, den geschichtsbewussten Europäer, ein denkwürdiges Ereignis, denn in der aufwändigen Verfilmung seines Erfolgsromans steckt viel Herzblut. So hat er neben seiner musikalischen Tätigkeit enorm viel Kraft und Zeit in das ehrgeizige Projekt mit der Aufarbeitung der Geschichte seiner Familie gesteckt. Er sieht das Resultat dieser Arbeit nicht nur als reine Unterhaltung, sondern auch als kleinen Beitrag zum Verständnis der gesellschaftlichen und politischen Vorgänge im bewegten letzten Jahrhundert.

Da er sich in diesem Zusammenhang intensiv mit dem Schicksal seiner Vorfahren beschäftigte, war es ihm ein Anliegen, dem jüngsten Spross der Jürgens-Familie, dem Enkel und Sohn seines Sohnes John, auf dem aktuellen Album „Der ganz normale Wahnsinn“ das Lied „Gute Reise durch das Leben“ zu widmen: „Du brauchst Phantasie und Kraft. Mut zur Trennung, Leidenschaft, Nervenkitzel, Lust an großen Plänen. Freunde, die wie Brücken sind. Und den Daumen hoch im Wind. Und auf Vorrat jede Menge Tränen. Gute Reise durch das Leben. Tausend Ziele wünsch ich Dir. Und vergiss nicht auf die Liebe, glücklich sein geht nur mit ihr.“

Eigentlich hätte sich der zweite Singletitel genauso gut als von Udo erprobter Ratschlag fürs Leben geeignet. Man glaubt es dem unverwüstlichen Bühnenmaniac aufs Wort, wenn er in „Gegen den Wind“ singt: „Flieg gegen den Wind. Nur dann fliegst du weit! Glaube an deine Kraft, deine Einmaligkeit! Sei so wie du bist, nicht wie alle sind. Wenn du abheben willst, geht’s nur gegen den Wind.“ Udo war sich stets treu geblieben und hat seinen Weg dank positivem Denken bei allen Zweifeln, schwindelerregenden Höhenflügen und Karriereknicks nie aus den Augen verloren. Er hat sich unter der Maxime „Ich weiß, was ich will“ nicht in erster Linie darum geschert, ob sein unkonventioneller Lebensentwurf aneckt oder nicht, sondern seine Träume und Sehnsüchte gelebt. Vielleicht sind es gerade deshalb solche Texte, welche die lange Karriere von Udo Jürgens begründet und begleitet haben. Sie sind authentisch, anrührend und von einer eingängigen emotionalen Aussage, welche immer wieder aufs Neue hunderttausende von Menschen an den Konzerten in ihren Bann zieht. Das Wechselspiel von purer Lebenslust, Mut spendenden Seelentröstern und dem ganz großen Konzertspektakel beherrscht Udo Jürgens wie kein zweiter. Ab dem 1. Februar 2012 wieder in den Konzerthäusern des deutschsprachigen Raumes.

TV-Film "Der Mann mit dem Fagott" am Donnerstag und Freitag in der ARD

Bei jedem anderen könnte man "Happy Birthday" schreiben. Nicht aber beim wohl angesehensten deutschsprachigen Musiker der letzten 50 Jahre. Da sollte man beim "Herzlichen Glückwunsch" bleiben, wenn Udo Jürgens schon als einziger hiesiger Interpret den Spagat zwischen Hitparade und Feuilleton geschafft und mit seinen Liedern das gesamte deutschsprachige Kulturverständnis geprägt hat. Morgen, am 30. September 2011, wird das ewig junge Idol mehrerer Generationen unglaubliche 77 Jahre alt. Alles Gute, Udo Jürgens!

Zur Feier des Tages strahlt die ARD den lange erwarteten Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott" aus, der auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Udo Jürgens und Michaela Moritz basiert. Am Donnerstag und Freitag jeweils um 20:15 Uhr läuft der hochkarätig besetzte TV-Film (u.a. mit David Rott, Christian Berkel). Im Anschluss daran sendet das Erste "Udo Jürgens live" aus dem Jahr 2006. Zum TV-Film "Der Mann mit dem Fagott" erscheinen am Freitag der Soundtrack zum Film plus Bonus CD "Reise durch das Leben", die DVD und die BluRay im Handel. Für Udo Jürgens erneute Höhepunkte in einem der erfolgreichsten Jahre seiner Karriere: Im Frühjahr chartete sein aktuelles Studioalbum "Der ganz normale Wahnsinn" auf Platz 3 der internationalen Bestenliste! Das Album zu seinem Erfolgsmusical "Ich war noch niemals in New York" erreichte im Sommer Platinstatus.

Sohn einer Jahrhundertfamilie – Udo Jürgens wird 77!

100 Millionen verkaufte Tonträger, sechs Millionen Konzertbesucher und ein Musical, das alle Rekorde bricht – Udo Jürgens ist einer der erfolgreichsten Sänger, Komponisten und Entertainer im deutschsprachigen Raum.

Sein Karrierestart war nicht einfach. Als mittlerer von drei Brüdern überlebt Udo Jürgens die Kriegswirren und tingelt – gegen den Willen der Familie – durch die Bars der Nachkriegszeit. Sein großer Durchbruch gelingt dem gebürtigen Österreicher 1966: Mit „Merci Chérie" gewinnt er den Grand Prix Eurovision de la Chanson und schreibt anschließend mit unzähligen Hits wie „Ich war noch niemals in New York", „Aber bitte mit Sahne" und „Griechischer Wein" Musikgeschichte.

Einen Tag vor seinem 77. Geburtstag blickt Udo Jürgens bei „Beckmann" zurück auf ein ungewöhnliches Leben: Er spricht über seine frühen Ängste, das Älterwerden und die Geschichte seiner Familie während zweier Weltkriege.

Außerdem zu Gast sind Christian Berkel und David Rott, Hauptdarsteller in der Verfilmung von Udo Jürgens autobiographischem Roman „Der Mann mit dem Fagott". Das Erste zeigt die Familiensaga dreier Generationen am Donnerstag und Freitag jeweils um 20.15 Uhr.

Mit der Fernsehverfilmung seines Roman-Bestsellers „Der Mann mit dem Fagott“ hat sich Udo Jürgens gleich zwei Herzenswünsche erfüllt: So konnte er mit den Produzenten Regina Ziegler und Klaus Graf nicht nur seine bewegende Familiengeschichte szenisch umsetzen, sondern gleichzeitig auch noch die Filmmusik dazu komponieren. Eines der wenigen, von ihm bisher nie realisierten künstlerischen Projekte. Dass er bei dieser Gelegenheit im Tonstudio in die Vollen Griff, um große Emotionen mit üppigem orchestralen Aufwand zu untermalen, versteht sich von selbst. Die aktuelle Doppel-CD umfasst die komplett neu produzierte Filmmusik von „Der Mann mit dem Fagott“ sowie eine eigens zur Thematik passende und von Udo zusammengestellte persönliche Selektion aus seinem bestehenden Backkatalog. Die Ausstrahlung des Zweiteilers erfolgt in ARD/ORF am 29. und 30. September. Aus diesem Anlass wird bei Random House ebenfalls eine Neuauflage seines Familienromanes „Der Mann mit dem Fagott“ sowie bei Universum Film eine gleichnamige DVD erscheinen.

Als Udo Jürgens begonnen hatte an dem Familienroman zu schreiben, sollte es vor allem ein Dokument für seine Familie werden. Es sollte das, was sein Großvater, sein Vater und seine Brüder erlebt und bewältigt haben und ihre Biographien, die von der europäischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurden, vor dem Vergessen und Versinken in der Zeit bewahrt werden. Doch es kam anders: Seine dritte Buchveröffentlichung „Der Mann mit dem Fagott“ wurde zum Riesenerfolg und vermochte sich monatelang in den Spiegel-Belletristik-Charts zu halten. Udo Jürgens: „Seit meiner Kindheit begleitet mich der Mann mit dem Fagott durch mein Leben. Vor zwölf Jahren ist daraus ein literarisches Projekt geworden, an dem meine Co-Autorin Michaela Moritz und ich sechs Jahre lang intensiv gearbeitet haben. Weitere sechs Jahre sind seit Beginn der ersten Besprechungen über ein mögliches Drehbuch vergangen. Dass unser Buch nun tatsächlich durch einen Film noch einmal auf neue Weise zum Leben erweckt wird, bedeutet mir unendlich viel und manchmal kann ich das selbst noch immer nicht ganz glauben. Die Arbeit an diesem Buch gehört für mich zu den Meilensteinen meines Lebensweges. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass wir sechs Jahre daran arbeiten würden, hätte mich vermutlich der Mut verlassen. Dass aus dem "Mann mit dem Fagott" schließlich ein Bestseller geworden ist und dass inzwischen auf der Basis dieses Buches gar ein Film gedreht wurde, erfüllt mich mit Freude und Stolz. Und wenn ich gewusst hätte, dass der Weg von der ersten Verfilmungsidee bis hin zum fertigen Film wiederum beinahe sieben Jahre dauern würde, hätte ich es wahrscheinlich nicht gewagt, mich darauf einzulassen. Eine ganz besondere Erfahrung für mich war die Arbeit an der Filmmusik, die ich gemeinsam mit Nic Raine, unterstützt von Stephan Broedner und Peter Wagner, gestaltet habe. Den richtigen Klang, die richtige Melodie für jede Szene zu finden, sie durch Töne zu unterstützen, ob emotional, spannungsgeladen oder friedlich-harmonisch, hat meinem Musikerleben eine ganz besondere Farbe hinzugefügt. Für die Ton-Aufnahmen mit dem renommierten Filmorchester Babelsberg arbeiten zu können, bedeutete mir viel. Dass wir als Violin-Solisten zudem meinen Freund Julian Rachlin, einen der besten klassischen Geiger der Welt, gewinnen konnten, verleiht dem Soundtrack für mich einen ganz besonderen Klang und Stellenwert.“

Auch der 77. Geburtstag ist für Udo Jürgens noch lange kein Grund leiser zu treten: Zusammen mit dem Orchester Pepe Lienhard wird er am 1. Februar 2012 in Berlin unter dem Motto „Der ganz normale Wahnsinn“ zur 35-Städte-Konzerttournee aufbrechen. Und der Begriff „Wahnsinn“ trifft auch die Tatsache, auf welch stabiler Erfolgswelle der Sänger, Vollblutmusiker, Komponist, stilvolle Charmeur und schalkhafte Entertainer seit fünf Jahrzehnten im schnelllebigen Unterhaltungsgeschäft zu reiten vermag. Gold- und Platin-Auszeichnungen für die letzten Alben werden bestätigt durch volle Ränge in den Konzerthallen – 100 Millionen verkaufte Tonträger und über sechs Millionen Konzertbesucher sprechen für sich. Auch das Udo Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ sorgte seit der Premiere im Dezember 2007 in Hamburg, Stuttgart und Wien für Kassenrekorde. Im Herbst wird das Erfolgsstück in japanischer Fassung in Tokio zur Aufführung gelangen. Weitere Gastspiele in Europa und in den USA werden derzeit diskutiert. Udo Jürgens ist ein beständiger Wert für seine treuen Fans und ein altersloses Phänomen, das Jahr für Jahr von einem jungen Publikum neu entdeckt wird. Einfach Wahnsinn!

"Ein Meilenstein in Udo Jürgens' Schaffen" – so kann man das Album ohne Umschweife kurz und bündig beschreiben.
Wir haben das neue Album von Udo Jürgens für Euch einmal unter die Lupe genommen… "Track by Track".

Aber um es kurz zu machen, kann man beim gesamten Album musikalisch nur sagen:

Stimmige Kompositionen, großes Orchester und wundervolle Instrumentierung gepaart mit Texten voller Poesie, Wortsitz und Ironie. Fantastisch – mir fehlen fast die Worte!

 

 

 

 

 

 

 

01.) Der ganz normale Wahnsinn

Der Titelsong des Album ist wohl der am gesellschaftskritischste Song auf dem neuen Album. Er beschreibt, welcher Wahnsinn uns tagtäglich umgibt und das dieser eigentlich ganz normal ist. Doch ist es dann noch "Wahnsinn"?! Ja, denn wir Menschen pushen es immer wieder zum "Wahnsinn" auf.

 

02.) Liebe lebt

Bei näherem hinhören nicht einfach nur ein Liebeslied, vielmehr ist es ein Liebeslied an die Liebe selbst.

 

03.) Wenn ein Lied so wär' wie Du

… dann würde das Lied wohl in etwa so klingen wie dieses. Udo Jürgens beschreibt, wie ein Lied sein müsste, wenn es wie "du" wäre und erkennt: "Du bist die Melodie, die ich nie schreiben kann – die Töne find ich nie". Und doch findet er sie genau mit diesem Lied. Denkt man am Anfang des Liedes noch, dass dies das Intro eines großen Hollywood-Film sein könnte, wird man schnell eines besseren belehrt. Jazzig spritzig bringt Udo Jürgens einen fast zwangsläufig zum mitwippen.

 

04.) Dafür brauch' ich Dich

Nur mit dem Partner ist man ein Ganzes – das erzählt Udo Jürgens. Und er trifft den Nerv der Zeit, vergessen doch viele von uns was der Partner uns eigentlich gibt und sehen dies oft allzu selbstverständlich an.

 

05.) Du bist durchschaut

Nichts bleibt mehr geheim – Hacker, Twitter, Facebook… Udo Jürgens trifft es auf den Punkt. Hier beschreibt er die "schöne neue Welt" der Informationsfreiheit im Internet.

 

06.) Die Frau, die ich nie traf

Auf jeden Topf passen mit sicherheit mehrer Deckel, doch diesen einen, wahrhaftig perfekt, passenden Deckel, den findet man nur schwer. So verhält es sich auch mit dem Lebenspartner und Udo Jürgens erzählt die Geschichte der ständigen Suche, die sich vielleicht, vielleicht aber auch nie erfüllt.

 

07.) Alles ist so easy

Anglizismen umgeben uns tagtäglich und dabei gab und gibt es seit Jahren immernoch ein deutsches Wort für das eben gesagte. Dieses Phänomen der "Verdenglischung" nimmt Udo Jürgens mit diesem Titel auf die Schippe.

 

08.) Oktoberwind

In seiner Lebenszeit ist Udo Jürgens im Oktober angekommen, spürt jedoch noch jeden warmen Sommertag, der ihn bis hierhin getragen hat. Musikalisch wie auch textlich nimmt man ihm das Erreichen dieser Lebenszeit auch durchaus ab: Musikalisch gereift ist er und läuft immer wieder zu höchstformen auf. Zyniker und Kritiker würden vielleicht behaupten, Udo Jürgens wäre bereits im Dezember gelandet – doch diese Meinung können wir nicht teilen. Udo Jürgens ist auf seine Lebenszeit gesehen mit Sicherheit bereits im Oktober angekommen, doch ist es hoffentlich noch Anfang Oktober.

 

09.) Schenk mir einen Traum (New York Fassung)

Die Realität macht einen oftmals traurig und so bittet Udo Jürgens darum: "Schenk mir einen Traum".

 

10.) Lass ein wenig Liebe da

Trennungsschmerz kennen wir alle und Udo Jürgens besingt ihn – den Abschied von einer Liebe die erloschen ist. Und er bittet: "Ich brauche Licht auf meinem Weg ins Morgen ohne dich – und deshalb lass ein wenig Liebe da für mich".

 

11.) Gegen den Wind

Eine Hymne an die eigene Persönlichkeit ist dieser Titel. "Flieg gegen den Wind – nur dann fliegst du weit. Glaube an deine Kraft, deine Einmaligkeit. Sei so wie du bist, nicht wie alle sind" – im Geiste der Zeit zeigt sich dieser Titel.

 

12.) Gute Reise durch das Leben

Von Opa zu Enkel – Udo Jürgens widmet dieses Lied seinem Enkelsohn. Es klingt, wie ein guter Rat: "Glücklich sein geht nur mit Liebe; habe Mut zur Trennung und Leidenschaft; habe auf Vorrat jede Menge Tränen" – und dieser gute Rat ist gelungen. Sowohl textlich als auch musikalisch. Man merkt Udo Jürgens gelebtes Leben an mit all seinen Höhen und Tiefen.

 

13.) Mein erster Weg

1967 erschien dieser Titel das erste Mal auf der Langspielplatte "Was ich dir sagen will". Nun, 44 Jahre danach, nimmt Udo Jürgens diesen Titel ein weiteres Mal unter die Lupe, arrangiert und bearbeitet es neu – und würde man es nicht besser wissen, klingt der Titel wie ein Brandneues Lied. Beschwingt und leicht klingt dieser Titel im Stil eines "Bossa Nova Jazz".

 

14.) Am Ufer

"Am Ufer aus erfüllter Zeit bin ich nun endlich, endlich angekommen" – fast klingt es wie ein Abschied. Udo Jürgens erzählt von gelebtem Leben, Gedanken an das letztendliche ankommen. Doch "am Ufer ankommen bedeutet nicht das Ende" sagt Udo Jürgens und hören wir uns die Melodie, die hoffnungsvoll klingenden Streicher an wissen wir: Er ist angekommen und doch ist es ein Neuanfang.

2012 geht Udo Jürgens wieder auf Tournee – natürlich mit dem Orchester Pepe Lienhard. Hier die Tourdates…

Datum Ort Halle
Mi, 01.02.2012 Berlin O2 World
Do, 02.02.2012 Magdeburg Bördelandhalle
Sa, 04.02.2012 Hannover TUI Arena
So, 05.02.2012 Köln Lanxess Arena
Di, 07.02.2012 Oberhausen König-Pilsener-Arena
Mi, 08.02.2012 Düsseldorf Phillipshalle
Fr, 10.02.2012 Bielefeld Seidenstrickerhalle
Sa, 11.02.2012 Hamburg O2 World
Mo, 13.02.2012 Bremen Arena
Di, 14.02.2012 Kiel Sparkassen Arena
Do, 16.02.2012 Minden Kampa-Halle
Fr, 17.02.2012 Dortmund Westfalenhalle 1
Sa, 18.02.2012 Wetzlar Rittal Arena
Mo, 20.02.2012 Frankfurt Festhalle
Mi, 22.02.2012 Mannheim SAP Arena
Do, 23.02.2012 Trier Arena
Sa, 25.02.2012 Stuttgart Schleyerhalle
So, 26.02.2012 Nürnberg Arena
Di, 28.02.2012 München Olympiahalle
Mi, 29.02.2012 Regensburg Donau Arena
Fr, 02.03.2012 Leipzig Arena
Sa, 03.03.2012 Chemnitz Arena
Mo, 05.03.2012 Dresden Kulturpalast
Di, 06.03.2012 Erfurt Messehalle
Do, 08.03.2012 A-Graz Neue Stadthalle
Sa, 10.03.2012 A-Salzburg Salzburgarena
So, 11.03.2012 A-Linz Tipsarena
Di, 13.03.2012 A-Wien Wiener Stadthalle
Do, 15.03.2012 Kempten Bix Box
Fr, 16.03.2012 CH-Zürich Hallenstadion

 

Im Interview mit Udo Jürgens zum neuen Album „Der ganz normale Wahnsinn“, den Arbeiten an der Buchverfilmung zu „Der Mann mit dem Fagott“, einer neuen Tournee 2012 und dem Alter.

 

Udo Jürgens, wie empfinden Sie selber Ihr neues Album „Der ganz normale Wahnsinn“?

Also ich muss Ihnen ehrlich sagen, es ist ein ganz eigenartiges Gefühl und das hat mich total berührt. Es war sehr spät in der Nacht, zwei Uhr morgens, und ich habe das ganze Album durchgehört. Dabei sind doch etliche Titel, die sehr viel Autobiographisches ausdrücken. Sehr viel persönliche Glücks- und Unglücksgefühle, Angst und Hoffnung, all das, was uns prägt. Und das hat mich sehr berührt, so dass ich hinterher zwei Stunden nicht einschlafen konnte. Es war richtig, richtig aufregend für mich! Jetzt, wo sich das etwas gelegt hat, wo ich die ersten Reaktionen bekomme, die ungewöhnlich wunderbar für mich sind, da fällt eine große Spannung von mir ab… Ich bin sehr, sehr glücklich über dieses Album.

 

Wie lange hat die Vorbereitungszeit gedauert und was ist wesentlich bei der Produktion des Albums gewesen?

Genau vor einem Jahr begann ich mit der Arbeit an diesem Album. Zu der Zeit hatte ich ein Problem mit meiner Hüfte. Ich wurde operiert und das war etwas kompliziert. Letztlich konnte  ich nur eine Sache wirklich perfekt machen: sitzen. Ich konnte nicht liegen, ich konnte nicht gehen und habe mich an Krücken herum geschleppt. Wenn ich aber gesessen bin, habe ich mich am wohlsten gefühlt. Also, was ist nahe liegender, als sich ans Klavier zu setzen? Und da sind –  ohne, dass ich das geplant hatte – plötzlich die Ideen zu Liedern gekommen. Also bin ich gleich am Ball geblieben, und schneller als ich geglaubt habe, hatte ich sieben, acht Ideen beieinander. Ich konnte wirklich zielstrebig beginnen, an diesem Projekt zu arbeiten und wie ich dann im Sommer fertig war, hatte ich 14 Songs zusammen. Da habe ich gedacht: Jetzt produziere ich. Ich musste natürlich sofort Berlin anrufen, meinen Produzentenpartner Peter Wagner. Dabei haben wir beide plötzlich festgestellt, dass die Songs so ein ehrliches Potenzial haben, dass wir diesmal wirklich alles mit lebendigen Musikern, mit Menschen, aufnehmen sollten. Man wird das hören, so wie man früher produziert hat, also richtiges Orchester nehmen. Und so habe ich meine eigene Rhythmusgruppe aus dem Orchester Pepe Lienhard nach Berlin eingeflogen. Aus den Berliner Orchestern, aus den Philharmonikern bis zu dem Opernorchester aus Berlin, aus allen Orchestern suchte ich wirklich die Elite der Musiker zusammen. So wurde ein über 100 Mann starkes Philharmonisches Orchester zusammengestellt; übrigens gemeinsam mit dem Jerry Bertram, der in Berlin die Musikerbestellung macht. Und siehe da, auf einmal hatten wir wirklich ein herrliches Orchester. Anschließend habe ich das mit Michael Reed besprochen. Mit dem habe ich ja schon an meinem Musical erfolgreich gearbeitet, der war 14 Jahre der Assistent von Andrew Lloyd Webber, hat eine ungeheure Erfahrung im großen Orchester. Wir beschlossen, das mit meiner eingespielten Rhythmusgruppe zu arrangieren: Mit einem großen Klangkörper die Stücke einspielen. Und während der Arbeit haben wir schon bemerkt, dass es etwas Besonderes wird. Jetzt, nach langer Arbeit, nach insgesamt einem Jahr, liegt die Platte vor. Für mich nach wie vor ein kleines Wunder, dass das immer wieder gelingt!

 

Sind Sie früher taktisch vorgegangen bei der Produktion eines Albums?

Man hat damals natürlich alles sehr wohl überlegt und geplant: Marktanalysen gemacht und sich auch die Hitparade angehört, die bekannten Lieder, um zu hören, wie klingt heute erfolgreiche Musik. Das ist aber letztendlich kein guter Weg, muss ich ganz ehrlich sagen. Man macht dann den Fehler, dort und hier zu kopieren. Man versucht nachzumachen, irgendetwas Grandioses, was nicht gelingt. Man sollte nur in sich hinein hören, in die eigene Sprache, in die eigene Einsamkeit, in das eigene Suchen, in die eigene Sehnsucht. Und dort entsteht ja auch, wenn man Musiker ist, Musik oder Literatur, wenn man Schriftsteller ist. Und dann kommt etwas Authentisches und das ist etwas, was ich in den letzten Jahren oder Jahrzehnten sehr konsequent mache, heute noch konsequenter als früher.

 

Sind Sie heute Taktiker, wenn Sie produzieren?

Eine junge Karriere muss auch mit einer Taktik geplant werden, man kann nicht einfach drauflos musizieren. Es kann sein, dass das manchmal kurzfristig gelingt. Man schaut sich natürlich den Markt an, man hat Vorbilder. Aber dann beginnt man einen eigenen Weg und da färbt alles Mögliche ab. Aber heute habe ich natürlich keine Taktik mehr. Heute höre ich einfach tief in mich hinein, so tief wie möglich, und versuche, das zu machen, was mir gefällt, woran ich glaube, hinter dem ich stehe. Und dann sehe ich, ob Menschen da sind, die das hören wollen. So wie es scheint, gibt es die. In meinen bisherigen Konzerten, die immer ausverkauft, gut besucht, wunderbar und einfach große Erlebnisse waren, kann ich eben dann auch die Musik machen, von der ich glaube, dass sie die Menschen hören wollen.

 

Wo ist Ihr neues Album entstanden?

Am meisten habe ich in Berlin produziert und das, muss ich sagen, ist dort auch ein wenig Heimat. Das Studio, Hansastudio in Berlin, ist eines der internationalsten Studios, die es auf der Welt gibt. Dort haben wirklich die großen internationalen Stars produziert. Die gehen dort ein und aus, die trifft man dort dann auch. Aus diesem Grund glaube ich, dass ich richtig beraten war, mit diesem großen Projekt an einem Ort zu sein, der meine Sprache, meine Gefühle, meine Gedanken beherbergt. Berlin ist ja eine Stadt, die seit meiner Jugend immer in meinem Leben eine Riesenrolle gespielt hat. Deswegen ist das mein Album, das ich hier produziert habe, mit meiner internationalen Erfahrung.

 

Wie beständig muss Ihr Team sein, mit dem sie zusammenarbeiten?

Ich kann nur mit Leuten zusammen arbeiten, die ihre Qualität halten, auch über Jahre. Dann ist mir vollkommen egal, ob der jung oder alt ist. Ich arbeite gerne mit alten, aber vor allem arbeite ich viel mit jungen Leuten. Vor allem die Musiker, mit denen ich musiziere, sind hauptsächlich jung, und ich muss voll Begeisterung sagen, wie gut ausgebildet heute die jungen Musiker sind. Das war vor 20, 30 Jahren überhaupt nicht so. Wir haben damals unsere Probleme gehabt. Nur jetzt sind die jungen Musiker, die nachkommen, von einer Qualität, das ist wirklich phantastisch. Sowohl im klassischen Bereich als auch in der Pop- oder Jazzmusik.

 

Ihr Album heißt „Der ganz normale Wahnsinn“. Was macht der „ganz normale Wahnsinn“ mit Ihnen?

Der ganz normale Wahnsinn beherrscht uns. Wir müssen das einfach erkennen, dass wir auf der einen Seite begeistert sind von der Schönheit unserer Welt und andererseits erschüttert sind, dass wir Menschen nicht behutsamer damit umgehen. Vielleicht merken wir jetzt langsam, dass der grüne Gedanke, ohne jetzt Parteipolitik machen zu wollen, also der wichtige Gedanke des Umweltschutzes immer mehr um sich greift. Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Beunruhigend mag da für mich persönlich jetzt sein, dass grünes Gedankengut immer Hand in Hand geht mit extremen sozialistischen, kommunistischen Weltanschauungen. Das stört mich sehr, muss ich Ihnen ehrlich sagen, aber der grüne Gedanke ist unerhört wichtig. Wir müssen schauen, dass wir mit dem Erdball, den wir haben, den wir nicht aufblasen und nicht größer machen können, der aber nur für eine beschränkte Anzahl Menschen Platz hat, behutsam umgehen. Auch beim Weltraumschrott und all diesen Dingen, die um die Erde kreisen, müssen wir darauf achten, dass das in einem vernünftigen und verantwortungsvollen Maß bleibt. Ich glaube, das ist eine ganz wichtige Sache. Aber es ist eine Welt, die wir betrachten und feststellen, 8 Milliarden Menschen, die wir bald sind, das ist zu viel, das verkraftet der Erdball nicht mehr. Es werden 10 Milliarden sein. Wir müssen wirklich jetzt versuchen, mit diesen Problemen umzugehen. Denn wenn wir uns umschauen, auch der Drang nach persönlicher Freiheit, nach Selbstbestimmung weltweit, der wird ein Erdbeben, ein politisches, verursachen, von dem wir jetzt einen Vorgeschmack bekommen haben. Aber es wird viel mehr passieren in diese Richtung. Und umso mehr ist diese Welt ein Wahnsinn, es ist ein vollkommener Wahnsinn, wenn wir da rein schauen. Diejenigen, die hier die Verantwortung tragen, die Verantwortungsträger, die Politiker, die müssen auch letztendlich von uns Bürgern kontrolliert werden. Und so gesehen sind das Internet und diese modernen Medien, die wir auch oft beschimpfen, weil sie auch einen Freiraum für Verbrechen sind, ein gewisser Garant für Sicherheit. Denn es kann sich niemand mehr alles leisten und so gesehen finde ich das eine Entwicklung, die sehr positiv ist und Hoffnung macht. Vielleicht kriegen wir das ja in den Griff.

 

Sie gelten als Zeitkritiker und haben gesellschaftspolitische Themen in ihrer Karriere immer wieder behandelt. Das zeigt sich jetzt unter anderem an Ihrem Lied „Du bist durchschaut“…

Ich habe ja solche Themen immer aufgegriffen, die auf den Nägeln brennen. „Du bist durchschaut“ ist natürlich ein witziges Lied, aber es hat einen ganz ernsten Hintergrund. Es ist die Geschichte, dass Kameras in jeden Garten gucken, nahezu in jede Wohnung, in jedes Haus. Nichts mehr kann geheim bleiben, aber das ist auch unsere Chance. Und unsere Chance ist die Jugend, die sich mit diesen modernen Medien abgibt und die auf diese Art und Weise, ohne es zu wollen, unbewusst die Welt kontrolliert. Eigentlich wollen sie sich ja nur amüsieren, sie verabreden sich, sie stellen fest, dass sie unterdrückt werden. Sie tauschen sich über diese Dinge aus und dann geraten Regierungen in Schräglage und das ist, glaube ich, eine Entwicklung, die alle beobachten werden. Es wird auf Dauer nicht möglich sein, dass wir alle Internetnetze dort abstellen, wo es schwierig wird. Und das ist auch gut so.

 

Wenn ich mir Ihr Lied „Alles ist easy“ anhöre, habe ich den Eindruck, dass Ihnen die „Verenglischung“ der deutschen Sprache nicht gefällt. Ist das so?

Die deutsche Sprache hat Ecken und Kanten, sie hat unglaubliche Präzision. Wie ein Slalomfahrer, der ganz nah an den Slalomstangen einen schwierigen Hang herunter fährt. Die Sprache hat 1.000 Schwierigkeiten zu bewältigen, aber sie hat 100.000 Möglichkeiten, Feinheiten auszudrücken. Nicht umsonst ist es die Sprache Goethes und Schillers und vieler anderer ganz großer Geistesriesen. Es hat alles deutsche Wurzeln und wir sollten uns auch dieser positiven deutschen Wurzeln bewusst sein. Wenn ich ein englisches Wort verwende wie „Easy“ auf der neuen Platte, dann hat das natürlich einen Zweck. Ich stelle immer das englische dem deutschen Wort gegenüber. Und ohne es zu kommentieren, sage ich damit, dass ein Teil von uns bereit ist, viel Deutsches aufzugeben, um alles im Englischen auszudrücken. Und dann wird die Sache nämlich „easy“ und belanglos, und das versuche ich mit freundlichen Worten in dem Lied auszudrücken. „Alles ist so easy, alles ist so leicht, alles ist so easy, alles ist so seicht.“ Ich meine, das sagt einiges aus.

 

Nach viel Sehnsucht, aber auch Hoffnung klingt Ihr Lied „Die Frau, die ich nie traf“. Da ist ein Suchender unterwegs. Oder?

Es steckt in vielen von uns so ein Gedanke drin, ob wir nun verheiratet sind, eine Freundin haben, alleine leben, geschieden sind, das spielt ja letztlich keine Rolle. Es gibt immer einen Teil von uns selbst, der uns alleine gehört. Das ist der Teil unserer Gedanken, unserer Psyche, und in diesen Gedanken bewegen wir uns Gott sei Dank in freiheitlichem Terrain. Es ist uns gestattet, über alles nachzudenken, auch Gedanken, die wir nicht aussprechen. Und das ist auch gut so. Wir müssen diesen Freiraum haben. Hier denkt ein Mann darüber nach, der gerade mit dem Flugzeug weg fliegt – ein Gefühl, das ich wöchentlich dreimal habe – und dann runter schaut aus dem Fenster heraus. Die Häuser werden kleiner und er denkt sich vielleicht am Abend während die Lichter unten brennen, dass in einem dieser Häuser genau diese Frau ist, 'die ich noch nie getroffen habe. Die aber genau so auf die Begegnung mit mir wartet und ich auch so auf die Begegnung mit ihr.' Das ist es wert, eine Geschichte darüber zu erzählen. Das ist eine Geschichte, die in einem Film erzählt werden könnte, aber auch in einem Lied. Und ich habe ja viele Lieder, die kleine Geschichten erzählen wie „Ich war noch niemals in New York“ und viele andere. Ich bin dankbar und froh, wenn ich solche Geschichten bekomme, wenn mir solche Geschichten einfallen. In diesem Fall ist es dem Wolfgang Hofer eingefallen, der hat gesagt: „Was hältst du denn davon?“ Schon alleine die Zeile „Die Frau, die ich nie traf“. Da habe ich gesagt, das sei eine großartige Zeile, das ist wunderbar. Weil die Gefühle einfach jeder von uns mal hat. Und viele Frauen haben natürlich das Gefühl, auch wenn sie verheiratet sind, dass es einen Mann gibt, 'den ich noch nie getroffen habe. Wenn ich den getroffen hätte, dann wäre mein Leben in eine ganz andere Richtung gelaufen.' Da ist ein absolut legitimer Gedanke und es ist gut, wenn man ihn denkt, das befreit.

 

Ihre Lieder enthalten sehr viel Menschenliebe, aber sie scheinen nicht der Mann zu sein, der seine Zuneigung auf eine bestimmte Person kanalisieren mag oder kann. Wie sehen Sie das?

Ich bin zweimal geschieden. Die Beziehung auf Ewigkeit hat nicht gehalten, wie man das sich so oft wünscht oder erträumt. Ich hadere mit dem nicht. Ich glaube, man muss dankbar sein für 14 Tage, für ein Wochenende, für zwei Jahre, für zehn Jahre. Egal wie lange eine Sache dauert, wenn sie in dieser Zeit gehaltvoll ist, gute Gespräche hat, eine wunderbare Nähe hat, dann ist es ein Geschenk, das wir erleben dürfen und so habe ich diese Dinge immer verstanden. Deswegen blicke ich eigentlich nie im Zorn zurück, sondern nur in Dankbarkeit.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Freunden gemacht?

Ich lebe so sehr zufrieden und glücklich mit den sehr, sehr tiefen und großartigen Freundschaften, für die ich unendlich dankbar bin. Und wie ich festgestellt habe in meinem Leben, sind Freundschaften, besonders Männerfreundschaften, etwas unglaublich wertvolles. Also dieses sich von selbst verstehen, was unter Männern leichter eintritt, als zwischen Mann und Frau. Ich lese darüber gerade ein faszinierendes Buch über Schiller und Goethe, eine der tollsten Männerfreundschaften, die es je gegeben hat, auf höchstem geistigen Niveau. Da fühle ich mich sehr berührt, weil ich das zum Beispiel mit meinem Schwiegersohn erlebe. Ich glaube, dass diese Freundschaften sehr prägend und sehr wichtig sind, und es ist nicht so wichtig, dass man im Leben letztendlich sagt, ich bin verheiratet und dieser eine Mensch, auf den konzentriert sich alles. Damit habe ich immer Probleme gehabt, meine Gefühle, meine geistigen Gefühle, meine Zuneigungen, immer auf einen Menschen zu konzentrieren. Liebe geht nicht nur in Richtung Frauen, ich liebe auch Männer, bitte nicht im Sinne von Sexualität, aber es ist trotzdem Liebe. Es ist absolut Liebe, wie ich zu ein paar Männern auf dieser Welt stehe, die ich sehr gut seit vielen Jahren kenne. Und ich weiß, dass ich auch von denen wieder geliebt werde.

 

Sind Sie mehr der offenherzige Typ oder eher misstrauisch?

Ich bin überhaupt nicht misstrauisch. Ich zahle ununterbrochen Lehrgeld, auch rein finanziell, weil ich jedem Menschen erst einmal alles glaube. Dann gebe ich sofort was, dann kriege ich es entweder nicht zurück oder werde enttäuscht. Das passiert immer wieder, aber ich kann mich nicht ändern. Ich bleibe so, wie ich bin, auch in meiner Zutraulichkeit und in meinem grenzenlosen Vertrauen zu anderen Menschen. Natürlich habe ich das Vertrauen sicherlich nicht, wenn mich eine gewisse Mimik abstößt von einem Menschen, wo das Hinterhältige bereits sichtbar ist. Das ist ja durchaus möglich, da bin ich dann vorsichtig. Aber ein Mensch, der mir freundlich begegnet, der kann alles von mir haben und manchmal bin ich da viel zu großherzig.

 

Auf Ihrem Album wechselt sich die subtile Kritik an Missständen mit dem großen Gefühl ab. Was hat Sie bewegt, Ihr Lied „Liebe lebt“ zu kreieren?

Ich glaube, in einer Zeit, wo wir so viel Hass erleben, wo wir auch so viel Niedertracht erleben, wo wir erleben müssen, dass Menschen nicht davor zurückschrecken, unschuldige Kinder und Frauen mit in ein Problem hinein zu ziehen, in dem man ihr Leben nimmt; die so weit gehen in der Niedertracht des Denkens, in so einer Zeit, wo so ein Hass, der so gar nicht gesellschaftsfähig ist, aber in gewissen Gesellschaftskreisen auf diesem Erdball als gesellschaftsfähig gilt, wo dann solche Menschen zu Helden werden, da muss man schon nachdenklich werden. Und da wird es Zeit, der Liebe eine Hymne zu geben. Das Lied „Liebe lebt“, das sind doch wunderbare Bilder, die wir da sehen, und das ist Liebe. Dieser Liebe wollte ich ein Lied widmen. Ein Lied, das nicht das du und ich, also egoistisch die Liebe schildert, sondern ein Lied, das sie als großes Gefühl schildert. Und zu diesem Gefühl bin ich immer fähig gewesen, heute noch mehr denn je.

 

Ihrem Album ist Ihr Faible für Jazz anzumerken. Besonders bei Ihrem Lied „Schenk’ mir einen Traum“

Ich glaube ja sowieso, dass Rhythm’ n’ Blues und Jazzmusik einen unglaublichen Einfluss auf die gesamte Popszene und Popmusik haben. Und Popmusiklieder, die ihre Wurzeln hörbar im Jazz haben, das sind immer die wirklich guten Songs. Ich habe als sehr junger Bursche – in meinen Anfangsjahren war ich längere Zeit in Amerika und habe in Harlem, in New York und in Pittsburgh und in verschiedenen Städten in Jazzclubs auch spielen dürfen für einen Apfel und ein Ei – eine für mich sehr prägende Zeit erlebt. Und meine Jazzbegeisterung ist geblieben bis heute. Die mache ich jetzt noch mehr hörbar, als ich das in der Vergangenheit schon gemacht habe. Und dieses Lied „Schenk’ mir einen Traum“ zeigt deutlich die Liebe zum Bigband-Jazz und all diesen Dingen. Da wollte ich mal kompromisslos so etwas machen, also nicht so angedeutet nur mal ein bisschen Bläser rein. Ich wollte kompromisslos mal was aufnehmen und ich glaube, das ist uns auch gelungen.

 

Nach Jazz klingt auch Ihr Lied „Mein erster Weg“.

Das ist eine Bossa-Nova-Jazzrichtung. Und damals war ich noch ganz stark in dieser Art verwurzelt, musste dann aber sehr kommerzielle Lieder aufnehmen zu einer Zeit, als ich meine ersten Schallplatten gemacht habe. Damals hat sich eine Sängerin ein Lied von mir gewünscht. Da habe ich diesen „ersten Weg“ für sie geschrieben, den habe ich dann einfach ziemlich jazzig gemacht. So hatte ich dann dieses Lied und habe es später auch selber aufgenommen. Jetzt habe ich es nach vielen, vielen, vielen Jahrzehnten zufällig irgendwo gehört und gedacht, mein Gott, ist das ein guter Song. Dann habe ihn noch einmal neu bearbeitet und aufgenommen.

 

Darf ich davon ausgehen, dass Sie im Laufe Ihres Lebens den Oktober erreicht haben und Ihr Lied „Oktoberwind“ eine Metapher dafür ist?

Wahrscheinlich bin ich in meinem Leben schon im November, gemessen an den Jahreszahlen.  Aber nach gefühltem Leben bin ich noch nicht mal im September, also das geht ja nicht immer ganz parallel. Aber der Oktober erschien mir als wunderbare Metapher für ein Lied, weil er natürlich nicht nur die kalte Jahreszeit einleitet, sondern er ist auch unglaublich schön, der Indian Summer, die goldenen Blätter. Das Vergehen der sommerlichen Schönheit hat auch etwas unglaublich Poetisches, deswegen habe ich dieses Lied gemacht und lange überlegt, wie ich das machen soll. Ich habe jegliche Rhythmusgruppe weg gelassen, es gibt kein Schlagzeug, es gibt keinen gezupften Bass, es gibt keinen Elektrobass, gar nichts. Ich spiele Klavier mit einem sinfonischen Orchester, das ist alles.

 

Sie sind im vergangenen Jahr 76 geworden. Wie empfinden Sie Ihr Alter?

Das ist eine der spannendsten Fragen meines Lebens, über die ich manchmal sehr bedrückt nachdenke. Manchmal auch mit einer gewissen Heiterkeit… Immer dann, wenn ich darüber spreche, erscheint mir das Problem gar nicht da zu sein. Wenn ich alleine bin und nachts vielleicht auch mal, weil ich nicht schlafen kann, weil ich zu viele Gedanken im Kopf habe, das ist immer der Hauptgrund. Dann kann es auch sein und dann ist es auch der Fall, dass man über dieses Thema mal bedrückt nachdenkt. Das ist eigentlich auch gut so, das muss auch mal sein. Wenn ich mit anderen Leuten in meinem Alter spreche, dann sagen die alle, Junge, das ist ganz normal. Wir müssen auch unsere Bedrücktheit zu diesem Thema haben, weil auf diese Situation im Leben zuzugehen mit offenem Augen, mit offenem Verstand, das erfordert Kraft. Und Alter ist nichts für Feiglinge, das ist etwas für mutige Menschen. So gesehen empfinde ich das Alter gar nicht so katastrophal, sondern es gibt dem Leben eine unglaublich interessante Farbe. Das einzige Bedrückende ist halt, dass man im Alter weiß, dass es nicht mehr so wahnsinnig lange dauert. Und das gerade zu einem Zeitpunkt im Leben, wo man sagen könnte, ich mache jetzt gerade eine Tür auf, die hoch interessant ist. Aber natürlich ist es eine Last, wenn man im Alter von Krankheit und vielen Problemen begleitet wird. Ich habe das unglaubliche Glück – und da glaube ich, muss ich jetzt irgendwo auf Holz klopfen -, dass mir das so nicht ergeht. Ich erlebe es in der herbstlichen Schönheit.

 

Sie wünschten sich schon vor längerer Zeit mehr Demut. Hat Demut sich eingestellt bei Ihnen?

Die Demut wird größer. Ich hatte Schwierigkeiten als junger Mann, da war die Demut nur da, wenn ich Großes gesehen oder erlebt habe. Zum Beispiel wie ich als 22-Jähriger ohne Geld in der Tasche an einem Broadway Theater stand und mir keine Karten für die Premiere der West Side Story kaufen konnte. Ich bin an der Bühnentür hinten gestanden, denn da konnte man ein wenig so durch die Kulissen und durch die dünnen Türen das Orchester spielen hören und manchmal auch eine Stimme. Die amerikanischen Theater sind ja keine massiven Bauten wie bei uns. Da bin ich dann manchmal drei Stunden hinter dem Theater im Dunkeln an einer Türe gestanden und habe die Lieder zum ersten Mal schemenhaft gehört: „Maria“, „There's A Place For Us“, da war ich demütig vor dem Genie Leonard Bernstein. Die Musiker, die so etwas schaffen können, vor denen habe ich Demut, aber es selber zu lernen, das gelingt nur später im Leben.

 

Zu Ihrem 75. Geburtstag gab es im Jahr 2009 eine große Fernsehgala  Wie empfinden Sie diese Art von Sendungen?

Also ich tue alles, was in meiner Menschenmacht steht, solchen Sendungen zu entgehen. Ich bitte die Fernsehgewaltigen auf Knien, mein Management, alle Menschen um mich herum, wie man verhindern kann, dass ich im Fernsehen geehrt werde! Es ist eine Ehre, natürlich auch für mich eine große Ehre. Aber ich weiß auch, dass es mit einem großen seelischen Stress verbunden ist.

 

Dass Sie in Österreich geboren sind und heute in der Schweiz zuhause sind, bedenkt man manchmal gar nicht so sehr, da sie von der deutschen Showszene so vereinnahmt zu werden scheinen. Empfinden Sie das auch so?

Ich bin stolz, dem deutschen Kulturkreis anzugehören. Und der deutsche Kulturkreis ist Deutschland, Österreich und die Schweiz und die Nachbarländer, die die deutsche Sprache noch sehr zahlreich sprechen, so wie in Dänemark oder Holland. Das ist eine tolle Sache. Aber in erster Linie fühle ich mich als Europäer. Ich bin in Österreich geboren und ich finde Österreich ein unglaublich tolles, wichtiges Land vor allem im kulturellen Bereich. Und Deutschland hat mir den Teppich ausgerollt. Ich bin diesem Land unendlich dankbar, dass es mich entdeckt hat, dass es meine Art, Musik zu machen, verstanden hat. Und das in einer Zeit, als man komplett andere Musik gemacht hat. Die Beatles waren gerade neu und ich war überhaupt nicht der Typ, der in dieser Richtung viel versprechend erschien. Aber das hat in Deutschland funktioniert und in Belgien und Frankreich… Diese Länder haben mich zuerst entdeckt und darüber bin ich natürlich schon sehr froh.

 

Welche Rolle spielt die Musik für Sie in Ihrem Leben?

Musik hat eine große Rolle in meinem Leben gespielt und es war mir relativ früh klar, dass ich mit Musik in meinem Leben mal auf- oder untergehen würde. Also, ich wollte nichts anderes machen als Musik. Da habe ich am Klagenfurter Konservatorium als Gastschüler am Mozarteum in Salzburg ein nicht seriös betriebenes Musikstudium betrieben und sehr früh eine Band gegründet. Ich habe live Musik gemacht und meine Erfahrungen auf kleinen und winzigen Bühnen im Kabarettprogramm gesammelt.

 

Vor inzwischen sieben Jahren (2004) ist Ihr Buch „Der Mann mit dem Fagott“ erschienen. Jetzt ist es verfilmt worden. Wie denken Sie als Autor?

Ich habe immer gesagt, dass man das nicht verfilmen kann, weil der Stoff viel zu groß ist. Es ist eine Geschichte, die sich über das gesamte letzte Jahrhundert erstreckt und es ist nicht meine Geschichte. Es ist die Geschichte meiner Familie, mit Streiterei, mit Liebe, Zuneigung, Abneigung und all diesen Dingen. Die haben bei uns auch stattgefunden, wie sich das in einer ordentlichen Familie auch gehört, finde ich. Und diese Geschichte, die in Russland beginnt, habe ich mit meiner Co-Autorin Michaela Moritz niedergeschrieben. Ich habe nie den Mut gehabt, ich habe es einfach für mich und vor allem für meine Familie gemacht. Ich dachte, es wäre interessant, später mal zu wissen, wie die Zusammenhänge alle gelaufen sind. Und wie wir es geschrieben haben, fingen die Leute – auch Bekannte von mir – an, es einfach zu lesen. Und einmal auf dem Flug nach New York hat es der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann in der Maschine gelesen. Der kommt nach einer halben Stunde auf mich zu und sagt: "Hör' zu, das ist der Wahnsinn, das muss verlegt werden, das ist Dir schon klar.“ Lange Rede, kurzer Sinn, es wurde verlegt und es wurde ein Bestseller. Zwei Produzenten riefen an und sagten, sie wollen das verfilmen. Dann habe ich eine Zeit lang damit verwendet, um denen klar zu machen, dass das gar nicht geht. Sie sollen sich mal das Buch anschauen, es ist viel zu viel los in diesem Buch. Es kommt Monarchie, es kommt erster Weltkrieg, es kommt Zweiter Weltkrieg, mein Großvater als 19-Jähriger, mein Großvater kurz vor seinem Tod, mein Vater, ich als Kind, ich als junger Mann, also wie soll das alles gehen? Die Antwort war: "Ja, wir finden gerade das interessant, wir wollen das machen."

 

Wer hat Sie überzeugen können, Ihr Buch „Der Mann mit dem Fagott“ letztlich doch zu verfilmen

Die größte Begeisterung hat Frau Ziegler für das Projekt gehabt. Sie hat sich nicht abbringen lassen und gemeint, ich könnte sagen, was ich will. "Besser du arbeitest mit, denn ich werde dieses Buch verfilmen, weil ich die Rechte beim Verlag und bei deinem Management schon erworben habe. Deshalb mache ich das Buch auch gegen deinen Widerstand, damit du das klar siehst.“ Und dann dachte ich, natürlich, okay, wenn das so ist, dann müssen wir es probieren. Anschließend haben wir wirklich vier Jahre an dem Buch gearbeitet, und es war sehr schwer, das Buch zu erstellen. Wir mussten sehr große Teile weg lassen, kürzer machen und auf einmal war ein Drehbuch da, wo ich wirklich gesagt habe: „Donnerwetter“. Und dann kamen die Dreharbeiten mit einem Kameramann, der ein Geschenk des Himmels ist: Gernot Roll, eine deutsche Kameralegende, der schon im alten deutschen Kino verankert war und in der neuen Zeit auch. Der hat Bilder gezaubert, dass man sich gegenseitig anschaut und sagt: „Das kann nur ein Hollywoodfilm sein!“ Solche prachtvollen Bilder sind das und dazu dieses gute Buch und die großartigen Schauspieler.  Der Ulrich Nöthen oder ein junger Schauspieler, David Rott, der schaut genauso aus wie ich mit 20 Jahren ausgesehen habe. Also wirklich genauso, wenn man dem die Haare hinmacht. Ich habe die Bilder gesehen, ein altes Foto von mir, und dann erst beim dritten Hinschauen gemerkt, das ist ja der David! Da kamen so viele gute Momente zusammen, dass wir alle der Meinung sind, da kommt etwas Unglaubliches auf uns zu. Möglicherweise ist das ein guter Film geworden.

 

Wie sind Sie mit David Rott umgegangen, mit dem Mann, der Sie im Film „Der Mann mit dem Fagott“ verkörpert?

Ich habe ihn natürlich zu mir eingeladen. Er war etwas nervös, dass er die musikalischen Dinge umsetzt, denn er ist ja kein Pianist. Da habe ich ihm gesagt, er könne ganz beruhigt sein, das werden wir schon hinkriegen. Er hat alle alten Filme von mir angeschaut. Ich habe bei mir zu Hause vorgespielt und gesungen, so dass er meine Körpersprache kennen lernt. Er ging in mehrere Konzerte, weil ich gerade auf einer Solotournee in Deutschland war. Das war eine ganz großartige Beziehung, die wir beide aufgebaut haben. Und er hat mit großer Freude Klavierspielen gelernt, denn meine Produzentin hat ihm gleich einen Klavierlehrer geschickt. Ich habe gesagt, er solle ihm mal beibringen, wie die Hände in etwa funktionieren. Das macht dann doch viel aus. Und er hat dann so eine Freude am Klavierspielen bekommen – obwohl er ja wirklich ein Anfänger war mit seinen 30 Jahren -, dass ich ihm das Klavier geschenkt habe, auf dem er gelernt hat.

 

Werden Sie wieder auf Tournee gehen?

Die Welt ist verrückt und ich sowieso, deswegen gehe ich in meinem Alter auch wieder auf Konzerttournee. Und nicht, weil ich das muss und weil mich jemand zwingt, sondern weil es mich dazu drängt. Ich habe ein Album und die Lieder auf diesem Album schreien danach, auch live auf der Bühne gespielt zu werden. Wenn es ein Publikum geben sollte, das diese Lieder hören möchte – und das werden wir ja alle im Laufe der nächsten Monate feststellen – , dann werde ich da sein, dann werde ich auf die Bühne gehen, werde mich ans Klavier setzen und diese Lieder spielen. Und die anderen alten Sachen auch. Es ist die größte Erfüllung, die es für einen Musiker gibt, auf die Bühne zu gehen und live vor Menschen zu spielen. Der einzige Gedanke dagegen ist der, dass es natürlich viele Leute gibt, die denken, wann hört denn der endlich auf, der macht doch lang genug?! Hält ihn die Eitelkeit oder die Gier, was hält ihn eigentlich fest, er soll doch froh sein, wenn er mal im Liegestuhl sitzen kann. Dazu möchte ich nur sagen, dass ich Liegestühle nicht mag, dass ich Musiker bin. Und dass für mich, solange ich die geistige und seelische und körperliche Kraft habe, immer das Klavier ein Platz sein wird, an dem ich sitzen werde.  Niemand wird gezwungen, mir zuzuhören, aber je mehr Leute das tun, desto mehr fühle ich mich glücklich. Natürlich gehört auch dazu der Gang, der schwere Gang auf eine Konzertbühne und die große Verantwortung, die man dort trägt. Dazu kommt all die große Vorbereitung, die auch wiederum ein Jahr dauert. Ich beginne jetzt, mich auf diese Tournee vorzubereiten, indem ich anfange, die Texte zu lernen und vor allem ein Programm, eine Dramaturgie zu entwickeln. Es ist wieder alles in der Pipeline und ich hoffe, dass ich das alles so machen kann, wie ich mir das wünsche.

 

Sind Sie nach wie vor der große Perfektionist?

Der Anspruch nach Perfektion ist sehr groß und der wird, je länger man diesen Beruf ausübt, eigentlich immer größer. Mein Erfolg ist erst nach meinem 30. Geburtstag eingetreten. Vorher galt ich als ein ewiges Talent. Dadurch habe ich aber ein ganz gutes Standbein, da ich so viel gemacht habe, so viele unterschiedliche Dinge machen musste: Ich war Filmschauspieler, habe im Musik-Kaffeehaus und in der Hotelhalle gespielt, dann in kleinen und in größeren Bands. Es gab kleine Konzerte, größere Konzerte, dann meine Megakonzerte; das ist ein sehr kontinuierlicher Weg, wo ich das wirklich lernen konnte, was heute alles ganz natürlich erscheint.

 

Es hat eben so geklungen, als ob Ihr Lied „Schenk’ mir einen Traum“ für Sie so etwas wie eine Sonderstellung einnimmt neben allen anderen neuen Liedern?

Da ist mir eine Musik eingefallen, die mich an George Gershwin erinnerte, an mein großes Idol als Komponist. Musik wie Gershwin zu schreiben, das war, als ich ein junger Mann war, mein ganz großes Ziel. Ich wusste, es ist unerreichbar, aber man muss unerreichbare Ziele haben, um ein wenig zu erreichen. Dann ist mir eine Melodie eingefallen und da hat mein Textdichter, der Wolfgang, gesagt: "Das könnte von Gershwin sein, ohne dass du einen Ton geklaut hast, das ist Feeling." Da war ich ganz stolz und er kam dann mit der Zeile „Schenk' mir einen Traum“. Die erzählt ja so gar nicht viel, diese Zeile. Nur die Geschichte, die dann erzählt wird, ist eine der schönsten Geschichten, die ich in Liedern drin habe. Da bittet jemand: „Erzähl' mir einen Traum, erzähl' mir, dass es besser wird auf der Welt und erzähl' mir nicht die Wahrheit. Ich will jetzt mit dir zusammen träumen, erzähl’ mir diesen Traum nach einer besseren Welt…“ Da sind sehr schöne Bilder in diesem Lied und deswegen glaube ich, dass es ein wunderbares Lied geworden ist, obwohl sich der Titel „Schenk' mir einen Traum“  fast banal anhört.

 

Wem ist das Lied „Gute Reise durch das Leben“ gewidmet?

Ich habe Gott sei Dank Enkel, es sind ganz wunderbare Enkel. Und ich habe dazu das große Glück, dass sie von ihrer Blutmischung her deutsch, österreichisch und koreanisch sind. Es sind wunderschöne Kinder, die so einen phantastischen Charakter haben. Und natürlich habe ich als Opa meinem kleinen Enkel, der inzwischen 11 Jahre alt und ein liebenswerter Junge ist, ein kleines Lied gewidmet. „Hab' auch genug Tränen für Dein Leben bereit“, heißt es in dem Lied.  Also nicht nur „ich wünsche Dir Glück und Zufriedenheit“, sondern „hab' genug Tränen, du wirst sie brauchen“. Auch das wird ausgesprochen, das sind die Gedanken, auf die es mir immer ankommt in Liedern, damit sie nicht peinlich und schmalzig werden. Das erzählt diese Geschichte.

 

Welchen Vorteil hat Ihr Alter?

Eigentlich bin ich mit dem Älterwerden in meiner Auffassung vom Miteinanderleben auch menschlicher, mitmenschlicher und sozialer geworden. Dem stehe ich sehr positiv gegenüber, da ruhe ich sehr zufrieden drin.

 

In Ihrem Lied „Am Ufer“ deuten sie „Ihr Ankommen“ an

Etwas bin ich angekommen. Es heißt ja in der letzten Zeile von diesem Lied, dass der Weg zu mir krumm und verbogen war. Es ist ein Ufer da, an dem ich gerade so irgendwie ankomme, das kein Ende bedeutet, sondern wiederum einen Anfang, auch wenn es ein kurzer Anfang ist.

 

Möchten Sie noch mehr erreichen?

Immer wieder anzufangen, das ist das ganz Entscheidende, aus dem Grund möchte ich nie ganz ankommen.

"Das ist der ganz normale Wahnsinn – mehr nicht!" singt Udo Jürgens und kann damit nicht sein aktuelles Album meinen. Denn das ist nicht der "ganz normale" sondern der absolute Wahnsinn!

Drei Jahre nach seinem Erfolgsalbum "Einfach ich" stellt Udo Jürgens mit ungewohnten Tönen und großem Orchester sein neues Album vor – mit über 100 Musikern wurde dieses Album aufgenommen. "Handgemachte Musik, wie man Sie früher produziert hat" betont der Ausnahmekünstler – und das hört man auch.

Neben 13 brandneuen Songs erscheint auf diesem Album auch nach genau 44 Jahren eine Neuaufnahme des 1967er Titels "Mein erster Weg".

Natürlich haben wir die CD für Euch schon einmal unter die Lupe genommen. Zur CD-Besprechung geht es hier lang…

 

Tracklisting:

Titel Titelname Dauer  
01.) Der ganz normale Wahnsinn 4:15 Der ganz normale Wahnsinn - Der ganz normale Wahnsinn MP3 bei Amazon kaufen
02.) Liebe lebt 4:17 Liebe lebt - Der ganz normale Wahnsinn
03.) Wenn ein Lied so wär' wie Du 4:42 Wenn ein Lied so wär' wie du - Der ganz normale Wahnsinn
04.) Dafür brauch' ich Dich 3:40 Dafür brauch' ich dich - Der ganz normale Wahnsinn
05.) Du bist durchschaut 3:34 Du bist durchschaut - Der ganz normale Wahnsinn
06.) Die Frau, die ich nie traf 4:11 Die Frau,die ich nie traf - Der ganz normale Wahnsinn
07.) Alles ist so easy 4:29 Alles ist So Easy - Der ganz normale Wahnsinn
08.) Oktoberwind 4:10 Oktoberwind - Der ganz normale Wahnsinn
09.) Schenk mir einen Traum (New York Fassung) 4:33 Schenk mir einen Traum (New York Fassung) - Der ganz normale Wahnsinn
10.) Lass ein wenig Liebe da 4:07 Lass ein wenig Liebe da - Der ganz normale Wahnsinn
11.) Gegen den Wind 3:47 Gegen den Wind - Der ganz normale Wahnsinn
12.) Gute Reise durch das Leben 3:39 Gute Reise durch das Leben - Der ganz normale Wahnsinn
13.) Mein erster Weg 3:31 Mein erster Weg - Der ganz normale Wahnsinn
14.) Am Ufer 3:53 Am Ufer - Der ganz normale Wahnsinn

 

Ungewohnte Töne und großes Orchester

Drei Jahre nach seiner letzten, mit Gold ausgezeichneten CD „Einfach ich“, meldet sich Udo Jürgens mit einem neuen Studioalbum zurück: „Der ganz normale Wahnsinn“. Es beinhaltet neben 13 brandneuen Jürgens-Kompositionen eine Neuaufnahme des 67er-Titels „Mein erster Weg“ und ist ein flammendes Statement des Vollblutmusikers für die handgemachte Musik. So hat er – neben seinen Studiomusikern – das „Philharmonic Studio Orchestra Berlin“ und das „Film Orchester Babelsberg“ in den Aufnahmeraum gebeten, um die von ihm so geliebte große musikalische Geste zu zelebrieren. Das Ergebnis ist ein farbenfrohes Meisterwerk, das mit reicher Instrumentierung besticht. Natürlich ist da, wo Udo Jürgens draufsteht, auch Udo Jürgens drin. Aber neben den typischen Liedern und Balladen mit aufwändigen Arrangements lassen neue, ungewohnte Töne und jazzige Zitate aus den Anfängen seiner Karriere aufhorchen.„Der ganz normale Wahnsinn“ ist ein sehr stimmungsvolles Album, das die poetischen Texte mit hohem musikalischen Anspruch intoniert und mit einer Prise witziger Satire in bester Udo Jürgens – Tradition gekonnt abrundet.

Nach all den Jahren im unberechenbaren Unterhaltungsgeschäft scheint Udo mit sich im Reinen und angekommen: „Ich lasse heute die Dinge ohne Absicht, spontan und ohne inneren Zwang entstehen. Deshalb bin ich wohl auch eine Spur authentischer geworden. Früher war ich sicherlich noch mehr Taktiker, heute höre ich viel mehr in mich hinein.“ Aber was Udo Jürgens wirklich umtreibt ist und bleibt die geliebte Arbeit am Klavier und auf der Bühne. Deshalb kann und will er sich auch in nächster Zukunft keinen anderen Lebensinhalt vorstellen. Eine Arbeit, die sein musikalisches Schaffen jeden Tag mit neuen Einflüssen prägt. So haben auf dem Album – neben den aus seinen Tourneen bestbekannten Big Band – Sounds – auch die Arbeit mit dem Arrangeur seines Erfolgsmusicals „Ich war noch niemals in New York“, Michael Reed, unüberhörbare Spuren hinterlassen. Udo: „Es war für mich wieder ein sehr schönes Gefühl, mit über 100 Musikern arbeiten zu können. Die vielen Diskussionen und Erfahrungen mit den jungen Berufskollegen waren für mich ein einmaliges Erlebnis.“ Obwohl Udo Jürgens sich immer wieder auf Neues einlässt, hat er keine Lust, Bewährtes zu verändern. Deshalb ist auch das neueste Werk im Berliner Hansa Studio seines Co-Produzenten Peter Wagner entstanden. Es ist ihm über die vielen Jahre hinweg, in denen er dort seine Alben produziert hat, zu einem Stück Heimat geworden. Genau so wie der deutsche Kulturkreis und seine Szene, für die er immer wieder gerne eine Lanze bricht: „Ich lasse mich musikalisch gerne in New York inspirieren, aber ich mache trotzdem deutsche Lieder, denn meine Gefühle und Gedanken bewegen sich nun mal in meiner Muttersprache. Die Studioarbeit hat mich sehr beeindruckt, denn dieses große Projekt hat viele junge, gut ausgebildete Musiker involviert, was zu einer hohen Qualität geführt hat.“

 

Lass ein wenig Liebe da

Im Titelsong „Der ganz normale Wahnsinn“, der manchen Fans bereits seit der letztjährigen Sommer-Solotournee bekannt sein dürfte, besingt Udo den ganz normalen Wahnsinn, der unseren Alltag beherrscht. Ein nachdenklicher Udo: „Wir bewundern die Schönheit der Welt, aber der Drang zu vieler Menschen nach persönlicher Freiheit wird ein ökologisches Erdbeben auslösen. Deshalb ist das grüne Gedankengut sehr wichtig für die Zukunft unseres Planeten. Es sollte aber auf dem gesunden Menschenverstand und nicht auf extremen politischen Dogmen gründen.“ Ein weiteres aktuelles Thema spricht Udo in „Du bist durchschaut“ an. Dabei sieht er das Internet („mit Kameras, die in jeden Garten schauen“) durchaus auch als Garant gegen die Zensur: „Das Internet schafft nicht nur eine unbewusste Kontrolle der Welt, sondern auch eine Plattform für Freidenker jenseits von Politik und Religion.“ Einer der außergewöhnlichen Titel auf dem Album ist „Alles ist so easy“ – sein satirischer Protest gegen die „denglische“ Banalisierung der deutschen Sprache und ein Plädoyer für die Muttersprache der Dichter und Denker: „Einer Sprache mit Ecken und Kanten, in der man sich mit der Präzision eines Slalomfahrers ausdrücken kann, der sich elegant um die Stangen schlängelt.“ Der Titel „Die Frau, die ich nie traf“ zeigt den Sänger als stillen Beobachter der Umarmung liebender Menschen und ist Udos Fanal gegen den allgegenwärtigen Hass. Weitere Anspieltipps: Das jazzige „Schenk mir einen Traum“, „Lass ein wenig Liebe da“ (in bester Santana-Manier), das getragene „Oktoberwind“, welches „die optischen Schönheiten des Indian Summers musikalisch umsetzt“, die guten Wünsche an seinen Enkel und Sohn des Sohnes John „Gute Reise durch das Leben“ sowie der schon erwähnte, leichtfüssige Bossa Nova „Mein erster Weg“.

Das Album "Leave A Little Love" ist ein Meilenstein in Udo Jürgens' Schaffensperiode. 1981 erschien dieses Album mit ausschließlich englischen Titeln des Ausnahmekünstlers in über zwanzig Ländern gleichzeitig.
Aus diesen Songs wurden im laufe der Jahre immer mal wieder Lieder neu in deutscher Sprache aufgenommen. So wurde aus "Even An Angel Has Bad Days" im Jahr 1989 der Titel "Sogar Engel brauchen Glück", aus "Once In A While" im Jahr 2000 der Titel "Manchmal passierts".

1996 entschloss sich die Plattenfirma diesen Meilenstein in Udo Jürgens Schaffen neu auf CD heraufzubringen. In den Folgejahren verschwand das Produkt jedoch wieder vom Markt. 15 Jahre nach dem ersten CD-Re-Release erscheint nun am 15.04.2011 unter der Bestellnummer "88697893002" abermals ein CD-Re-Release des grandiosen Albums. Als besonderer Leckerbissen ist bei diesem Re-Release erstmals auf CD die Live-Version des Titelsongs, aufgenommen 1981 in Tokyo, zu hören.


Bleibt zu hoffen, dass dieses Werk nicht wieder in der Versenkung verschwindet.

 

Tracklisting:

Titel Titelname Dauer  
01.) Even An Angel Has Bad Days 3:10 Even an Angel Has Bad Days - Leave a Little Love
02.) Leave A Little Love 4:41 Leave a Little Love - Leave a Little Love
03.) A Little Nearer To Heaven 3:15 A Little Nearer to Heaven - Leave a Little Love
04.) Shouldn't It Be Love 4:48 Shouldn't It Be Love - Leave a Little Love
05.) The Music Played 3:47 The Music Played - Leave a Little Love
06.) Once In A While 4:04 Once In a While - Leave a Little Love
07.) Walk Away 3:56 Walk Away - Leave a Little Love
08.) Back In Brazil 4:54 Back In Brazil - Leave a Little Love
09.) If I Never Sing Another Song 4:20 If I Never Sing Another Song - Leave a Little Love
10.) Leave A Little Love (Reprise) 2:02 Leave a Little Love (Reprise) - Leave a Little Love
11.) Leave A Little Love (Live in Tokyo 1981)