Am 10.05. feierte Silbermond die Premiere ihrer „Leichtes Gepäck“-Tournee in Hannover.

Als Support trat vorab Graham Candy (u.a. „She Moves“ mit Alle Farben) auf. Der Singer-Songwriter aus Neuseeland begeisterte durch seine erfrischend verrückte Art und stimmte das Publikum mit einiger seiner Songs auf den bevorstehenden Haupt-Act ein.

Ein kurzer Umbau und es ging los: Silbermond betrat die Bühne oder sollte man besser sagen den Saal? Sängerin Stefanie startete mitten im Publikum und gab den ersten Song des Abends von dort aus zum besten, bevor sie sich durchs Publikum hindurch auf in Richtung Bühne machte.

Neben Songs aus ihrem aktuellen Studioalbum „Leichtes Gepäck“ präsentierten die Vollblutmusiker auch Songs aus ihren vorangegangen Alben und somit natürlich auch ihre bis jetzt größten Hits.
Es geht um die Macken der (engsten) Mitmenschen oder wie man sich in manchen Situationen eben verhält, wenn sie den Titel „Allzu Menschlich“ besingen. Es wird melancholisch, wenn in „Das Leichteste der Welt“ der Trennungsschmerz verarbeitet wird, doch es wird auch politisch: Die momentane Situation hier und anderswo in der Welt. Um ein miteinander. Freiheit. Für andere und vor allem diejenigen da zu sein, denen es nicht so gut geht – eben „In Zeiten wie diesen“.

Schon mittendrin aber gerade zum Schluss kommen sie, die großen Hits: „Irgendwas bleibt“, „Symphonie“, halb alleine vom Publikum gesungen „Das Beste“.
Fast am Ende, das Bad in der Menge: Bei „Indigo“ wirft sich Sängerin Stefanie am Ende des Stegs ins Publikum und lässt sich von diesem auf Händen zurück zur Bühne tragen.

Ein durchweg gelunges Konzert und fantastischer Tourneeauftakt einer Band die authentischer nicht sein könnte.

Weiter Livetermine von Silbermond in diesem Jahr sowie Tickets gibt es bei Eventim.

Fühlt sich lange her an und doch wie gestern.
Ne Dekade im Zeitraffer.
Sind wir doch gerade erst mit unserem krächzenden Bus in Bautzen losgefahren,  und als wär die Sonne gerade einmal auf und untergegangen, sitzen wir jetzt hier, gucken über unsere Schultern und sehen 10 Jahre.

Sehen Kneipen, Clubs, Hallen, Arenen und immer wieder gern Kneipen.
Sehen Lieder, Worte und Bilder, Kilometer, Eingangs- und Ausgangsschilder.
Sehen Menschen, wenige und sehr viele, und 99,9 % davon waren liebenswert.
Sehen Träume mit Flügeln und gelandete Illusionen,
Sehen verbrannte Finger und Nächte wie Feuer.

So weit, so gut, so viel, so schnell.

Zeit für einen kleinen Abschnitt im Schritttempo.
Zeit, Dinge genauer zu betrachten, die bei vollem Tempo vielleicht zu schnell am Fenster vorbeigerauscht oder im Fahrtwind von Euphorie, Adrenalin und Zweifel einfach zu schnell verflogen sind.
Denn das alles ist größer geworden, als man es in einer kleinen Stadt träumen kann.
Das will und muss der Kopf erst mal ordnen.
Diese Zeit ist Jetzt. Und sie ist wichtig!

Wenn wir uns umsehen, dann gibt es wenig bis nichts zu bereuen.
Selbst jeder Fehltritt und jeder falsche Ton war es wert gespielt zu werden und gehört zu uns wie eine Kante zu einem Tisch.
Auch wenn man heute Einiges anders sagen oder denken würde, so passen die Bilder von damals eben in den Rahmen ihrer Zeit.

Denn unsere Lieder sind wie Polaroids, die Gesehenes und Gelebtes ins Negativ von Noten und Worten gebrannt haben, um für immer dort zu bleiben.
So wie es in diesem Moment gedacht, gemeint und gefühlt wurde.
Gefesseltes Präsens sozusagen.

Wir haben 30 unserer „Sofortbilder“ hier neu eingeklebt. Nicht einfach so, sondern um sie neu anzusehen … mit Abstand.
Auch um beim Anblick von „Jugendsünden“ die Stirn lächelnd in Falten zu legen, um etwas verstaubten Farben wieder Licht zu geben, und um auf die Leuchtturm-Momente anzustoßen.

Aber das hier ist kein „Powernap“ auf dem Bett des Erreichten, vielmehr ein 360°-Blick, um zu sehen, wo wir stehen, vor allem aber, um herauszufinden, in welche Richtung unsere Gedanken und Füße fliegen.
Frei von gefühlten Erwartungen und den Fliehkräften von Druck.

Manche behaupten, 30 zu werden wäre die erste Zäsur im Leben.
Man fragt sich statt „Wo“ und „Wann“ öfter „Wohin“ und „Warum“, und überhaupt hinterfragt man mehr als mit 20.
Aber das hier ist keine akustische „Quarterlife-Crisis“.
Es ist ein Sortieren und Ordnen. Ein Federnputzen vorm nächsten Flug und ein leises, aber ehrliches „Danke“ in den Venen jedes Tons.

Denn viele von euch sind mit uns 30 geworden.
Ihr habt mit uns Autobahnen und Dorfstraßen bewältigt, euch mit uns wunde Füße getanzt und trockene Augen geheult. Ihr seid das, was alles auf dieser CD bereichert.  Bis hier her und hoffentlich noch viel weiter.

Und so soll es sein.
In diesem Sinne: Anhalten, Blick zurück nach vorn und dann …

ALLES AUF ANFANG
Andreas, Thomas, Johannes und Stefanie