Frank Bungarten gehört seit gut vier Jahrzehnten zur Weltspitze sei- nes Fachs. Die Gitarre tritt in der Klassischen Musik ja eher leise auf, erfreut sich aber einer um so enthusiastischeren Anhängerschaft. Nun wurde der in Hannover lebende Gitarrist mit dem OPUS KLASSIK, dem neuen Preis für Klassische Musik, in der Top-Kategorie „Instru- mentalist des Jahres“ ausgezeichnet. Nach bereits zwei „Echo Klassik“ – Auszeichnungen in der selben Kategorie ist Frank Bungarten nicht nur der einzige Gitarrist, dem dies gelang, sondern der einzige Musiker überhaupt, der sich drei mal in dieser Disziplin durchsetzen konnte. Die Preisverleihung findet am kommenden Sonntag, den 14.Oktober, in einer festli- chen Gala im Konzerthaus Berlin statt. Das ZDF sendet am selben Abend ab 22.15 Uhr Aus- schnitte der Veranstaltung. Wie der Echo Klassik und anders als der verblichene Echo Pop ist der OPUS KLASSIK ein reiner Jurypreis. Eine hochkarätige Fachjury wählt die Preisträger anhand ihrer jüngsten Aufnahmen aus einer Vielzahl von herausragenden Nominierungen in diversen Kategorien.

Frank Bungarten überzeugte die Jury mit seiner SACD „J.K.Mertz-The Last Viennese Virtuoso“, in der er Musik der Wiener Klassik auf einer majestätischen 10-saitigen Kontragitarre interpretierte, originalgetreu wie man sie seit beinahe 150 Jahren nicht mehr gehört hat. Das Klangerlebnis wird durch die Aufnahmequalität seines audiophilen Labels MDG noch unterstrichen.

Die Aufnahme reiht sich in eine seit dreissig Jahren fortlaufende Serie von Aufnahmen bei dem Detmolder Label ein, die in der Fachwelt längst als Referenz gelten: neben den Repertoire-Highlights z.B. Spanischer Musik die Gesamteinspielung sämtlicher Violin-Solowerke von J.S. Bach auf der Gitarre und das Gesamtwerk des Brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos. In jüngster Zeit wendet sich Bungarten vor allem Komponisten zu, die er für unterbewertet hält und lässt sich für jedes Projekt Kopien historischer Instrumente bauen.

Die Nachricht von der Auszeichnung erreichte Bungarten gerade zum Ende der Festival-Saison und nach einer ausgedehnten China-Tournee, kurz bevor er seine Tätigkeit als Professor an der Hoch- schule für Musik, Theater und Medien Hannover wieder aufgreift. Eine zweite Professur in Luzern hatte er vor einigen Jahren aus zeitlichen Gründen aufgegeben.

Schon in den sechziger Jahren, auf dem Höhepunkt der Gitarre-lastigen Blues- und Rockmusik war seine künstlerische Leidenschaft erwacht, wandte sich aber bald der Klassischen Musik zu. Noch während der Schulzeit begann er sein Musikstudium, erlangte zeitweise auch als Jazz-Saxophonist Beachtung. Mit einem Schlag trat er in den Fokus der internationalen Musikwelt, als er 1981 den 1. Preis des damals höchstdo- tierten Gitarrenwettbewerbs in Granada aus der Hand des legendären Altmeisters Andrés Segovia erhielt. Seitdem konzertierte er als Solist in mehr als 40 Ländern der Erde, beispielsweise als Ver- treter Deutscher Kultur für das Goethe-Institut oder auf Einladung von Gitarre-Liebhabern, die sich von seinen ausgeklügelten und radikalen Programmen überraschen lassen. Er spielte als Solist mit namhaften Orchestern und als Partner kongenialer Solisten oder Quartette auf den einschlägigen Festivals und Bühnen.

Auf mehr als hundert Seminaren und Meisterkursen widmete er sich auch dem jüngeren und jüngs- ten Nachwuchs. Seit einigen Jahren ist er regelmäßig an Hochschulen und Musikschulen im Deutschsprachigen Raum mit dem Workshop „Ich bin zu faul, um schlecht zu üben“ zu Gast. Seine Leidenschaften fasst der heute sechzigjährige Musiker mit dem Dreisatz „Guitars, Cars, Cigars“ zu- sammen, er hat jedoch noch nie einen Fernseher oder ein Handy besessen…