Als Udo Jürgens im Halbdunkel zum ersten Mal an diesem Abend des 05. Novembers 2014 die Bühne der Lanxess Arena in Köln betritt, wird er mit Standing Ovations empfangen und der Beifall will schier kein Ende nehmen. Gerührt und beinahe etwas ungläubig ob seines anhaltenden Erfolges bis heute erzählt er schmunzelnd von seinen ersten Auftritten in Köln im Gürzenich vor vielen Jahrzehnten.

In der ersten Konzerthälfte stellt er fast ausschließlich Lieder seines aktuellen Albums "Mitten im Leben" zur gleichnamigen Tournee vor und nur wenige ältere Stücke müssen bemüht werden. Aber wenn, dann handelt es sich ausnahmslos um starke Songs, die bereits bei den ersten Takten erkannt und beklatscht werden. Dabei wird eine jede Darbietung anmoderiert und auch nicht an kritischen Tönen gespart. Ob er mahnt, nicht zu leichtfertig mit seinen Daten umzugehen oder sich Gedanken über Religionen zu machen – man spürt sehr deutlich, dass er nah am Puls der Zeit ist, sich interessiert und sorgt, hinterfragt und anprangert, eben mitten im Leben steht. Das Publikum dankt es ihm mit zustimmendem Zwischenapplaus, es weiß längst, dass Jürgens kein tumber Schlagersänger ist, sondern ein intelligenter Künstler mit einer Botschaft. Dies kann er auch gerade mit "Die Krone der Schöpfung" untermauern, einem Satz aus einer Trilogie, einer symphonischen Dichtung, die er seinerzeit noch mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan aufnehmen durfte. Udo Jürgens dirigiert, gibt Einsätze, singt und bespielt den Flügel. Und nach knapp elf Minuten werden die beeindruckten Zuhörer mit diesem Dialog aus U- und E-Musik in die Pause entlassen.

Als im zweiten Konzertteil unmittelbar nach Beginn einige Damen aus den hinteren Reihen sofort Richting Bühne stürmen und die Massen nach sich ziehen, zeugt das Jürgens'sche Augerollen zwar nicht gerade von Begeisterung, aber der Profi bewahrt hier in Köln Contenance.
Nun dürfen es auch die Klassiker und Medleys von Hits alter Zeiten sein, wobei gerade eine unglaublich berührende Version von "Griechischer Wein" für Gänsehaut sorgt, in der das Stück musikalisch auf das Wesentliche reduziert wurde und so die Geschichte, das es erzählt, herausgeschält wird, man die Wehmut der besungenen Gastarbeiter förmlich am eigenen Leib spüren kann.
Am Ende sitzt Udo Jürgens wieder alleine am Klavier, im weißen Bademantel und in einem Lichtkegel in der sonst dunklen Halle. Eines der Rituale, das bei keinem Konzert fehlen und ohne das keines enden darf. Aber eine Überraschung hat er noch parat: nochmals erscheint er nach dem Abgang, lässig gekleidet in einem weißen Hemd, das nur halb in der hellblauen Jeans steckt und modernen Sportschuhen. So setzt er den Schlusspunkt mit dem intimen "Zehn nach Elf", das sein Alleinsein und die Leere nach seinen Auftritten emotional in Worte und Töne fasst. Als er danach ein letztes Mal seinen Fans winkt, sich tief verbeugt und dann auch noch die Kraft hat, die Bühne joggend zu verlassen, ist man überwältigt von dieser Performance, die ihresgleichen sucht. Er hat alles gegeben und versucht, was ihm so wichtig ist: Mit Haltung zu unterhalten. Es ist ihm zweifelsohne gelungen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar