Es ist schon erstaunlich, wie schwer sich die Menschen hierzulande tun, wenn es gilt, Pop aus unserem direkten Nachbarland, den Niederlanden, kennenzulernen, geschweige denn entsprechend zu würdigen. Holländisches Entertainment, um es mal lax zu sagen, wird in Deutschland schnell mal auf Rudi Carrell, Lou van Burg und Herman van Veen herunter gerechnet, reine Musik-Acts wie Golden Earring, Focus oder The Cats sind ebenfalls längst Geschichte. Aber heutzutage? Wer weiß schon, dass das Duo Nick & Simon zu den absoluten Superstars der niederländischen und belgischen Popszene gehört? Sie füllen ganze Stadien, haben seit dem Start ihrer phänomenalen Plattenkarriere im Jahr 2006 Top-Hits in Serie (standen dabei ein knappes Dutzend Mal auf Platz eins der NL Top 100) und von ihren in schöner Regelmäßigkeit mit größtenteils mit mehrfachem Platin veredelten Alben führten fünf in Folge die niederländischen Charts an. Damit nicht genug, wurden Nick & Simon von dem Fernsehproduzenten John de Mol jr. im Jahr 2010 für die damals frisch aus der Taufe gehobene TV-Show „The Voice Of Holland“ als Coaches engagiert und dank der Popularität der Serie erst recht zum Inbegriff für gute Musik und locker-schlagkräftiges Entertainment.

Am Freitag erschien ihr deutschsprachiges Debütalbum „Ein neuer Tag“. Zweifellos ist der Harmoniegesang der beiden aus dem Städtchen Volendam stammenden Sänger und Songwriter ihr Markenzeichen und ihre Stärke zugleich. Einen besseren Heimatort hätten sich die zwei kaum aussuchen können, gilt die 18.000-Seelen-Gemeinde unweit von Amsterdam doch als wahres Musiker-Mekka, aus dem unter anderem die eingangs erwähnten Cats, BZN und auch Jan Smit hervorgegangen sind. Nick und Simon, die beide aus künstlerischen Familien stammen und gemeinsam in eine Klasse gingen, versuchten sich bereits als Teenager als Duo sowie als Songwriter (beide schreiben übrigens ihre eigenen Songs unabhängig voneinander).

„Ein neuer Tag“ ist für Nick & Simon so etwas wie der Aufbruch in ein neues Abenteuer. Für ihr erstes deutschsprachiges Werk, das im Grunde genommen einen exzellenten Querschnitt ihrer letzten fünf Alben bietet, arbeiteten sie mit einem der erfolgreichsten Songschreiber und Texter Deutschlands zusammen, mit Frank Ramond – zu dessen Auftraggebern von Annett Louisan über Roger Cicero bis zu Udo Lindenberg so ziemlich alles gehört, was im hiesigen Mainstream Rang und Namen hat. Einfühlsam und prächtig pointiert hat Ramond die holländischen Hits von Nick & Simon in die deutsche Popsprache übertragen – und nebenbei den beiden Künstlern aus dem Nachbarland die deutsche Sprache und ihre Intonation nahe gebracht.

Das Album „Ein neuer Tag“ weist die unterschiedlichsten musikalischen Facetten auf, nicht minder unterschiedlich ist die Intention ihres angenehm leichten Gitarrenpop. Wir finden mit „Glücksmoment“ ein leidenschaftliches Plädoyer für die kleinen Augenblicke, die den Alltag beseelen können wie etwa eine Nachricht von der Freundin oder ein Lieblingslied im Radio. „Erst wenn die Sonne aufgeht“ lässt sich kompositorisch spielend leicht an der amerikanischen Westcoast verorten, „Stärker als der Wind“ könnte ein klassischer Roadsong aus jener Goldenen Ära sein, als Bob Seger „Against The Wind“ sang, und beim Titelsong „Ein neuer Tag“ könnte gar Tom Petty Pate gestanden haben. „Der Tag, der alles besser macht“ und „Alles überwinden“ sind kraftstrotzend-optimistische Mutmacher schlechthin, während „Sie ist halt nicht wie Du“ der klingende Beweis ist, dass Nick & Simon auch die Klaviatur des Brit-Pop perfekt beherrschen. Abgerundet wird diese erfrischende Karriere-Retrospektive für ein neues Publikum mit hymnischen Balladen wie „Darf ich mit Dir gehen?“ und „Sieh hinauf“.

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