EMMA6 sind eine kleine Band, ein Trio. Eigentlich eine unmögliche Voraussetzung – nicht geschaffen für ein langes Auskommen miteinander. Denn nichts scheitert schneller als ein umherreisendes Dreibettzimmer. Da die Band aber den langen Weg aus der Kleinstadt Heinsberg im tiefsten Westen des Landes bis zur Veröffentlichung ihres ersten Albums ohne Auflösung überstanden hat, ist die härteste Hürde wohl schon genommen.

Melodie, neu und ungewohnt, du bist wofür es sich zu leben lohnt, singt Peter in Melodie und formuliert damit das Credo der Band. Seine Texte sind so wie die Musik der drei Anfangzwanzigjährigen: unaufgesetzt und klar.

Zusammen mit den Arrangements entstehen bei EMMA6 musikalische Bilder, wie man sie sich für ein Debütalbum wünscht. Soundtrack für dieses Jahr macht die Marschrichtung klar. Die Ballade Leuchtfeuer ist eine Liebeserklärung von solch schlichter melancholischer Eindringlichkeit, dass man selbst allein im stillen Kämmerlein noch nach der Wunderkerze greift. In Wie Immer heißt es: Und es ist wie immer, ist mein Leben ein Licht, ist Routine der Dimmer. Während man sich hier von der Nachdenklichkeit anstecken lassen kann, verleitet Was kann ich dafür, dass ich aus den 80ern bin? eher zum Schmunzeln. Eine wortwitzig ironisierende Abrechnung mit der sogenannten Gnade der späten Geburt: Apollo 11 ist zum Mond gestartet, keine Sau hat auf mich gewartet. Was kann ich dafür, dass ich aus den 80ern bin?!? Es geht um Woodstock, Roy Black, das Wembley-Tor und die Titanic. Ja, das kann man alles in einem Lied unterbringen!

EMMA6 gibt es mittlerweile seit 5 Jahren und in dieser Zeit haben die zwei Brüder und der beste Republik der Welt in unzähligen Clubs und auf der ein oder anderen großen Festivalbühne gespielt – zuletzt waren sie gemeinsam mit Wir sind Helden auf Tour. Stets in Personalunion als Band, Crew, Fahrer, Booker, Grafikdesigner, Tankwart und Märchenonkel. Sogar auf der Bühne scheint eine Aufgabe pro Person nicht genug: Peter spielt neben seinem Gesang auch seine knochige Jazzmaster-Gitarre und stampft derweil zwischen Zerrpedalen hin und her. Henrik, als Schlagzeuger ohnehin mit allen Vieren strampelnd, begleitet seinen großen Bruder engelsgleich durch das Gesangsmikro. Nur Dominik schien den Geschwistern am Bass mit zu wenig Arbeit und zu viel Auslauf versehen, so dass sich der Unglücksrabe plötzlich hinter einem tiefbratenden Moog-Synthesizer samt Fußorgel wiederfand. Das Leben ist kein Wellnessbereich.

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