Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mal live gesehen, jeder hat eine Meinung zu den vier Jungs aus dem Schwäbischen – Die Orsons sind schlicht und ergreifend eine Größe im deutschen Rap. Und das, ohne auch nur den Hauch eines Zugeständnisses an vermeintliche Konventionen zu machen: Ihre Gigs sind explosive Zeremonien positiver Vibes, ihre Interviews absurde Happenings, ihre Alben kreative  – die Orsons sind das Gegenteil des gängigen Deutschrap-Klischees. Bei den Orsons geht es nicht um die dicksten Eier und die härtesten Ellbogen. Es geht um Kreativität, Freundschaft, Individualismus, Klugness und Spaß. Wer die Orsons verstanden hat und mag, kann kein schlechter Mensch sein.

Das neue Album „What's goes“ ist in diesem Sinne das perfekte Orsons-Album. Tua, Kaas, Maeckes und Bartek: vier absurd eigensinnige Künstler treffen in einem kreativen Clash aufeinander. Ein Clash der Kulturen aus dem etwas Neues und großes entsteht: Die Musik der Orsons klingt agressiv melancholisch wie Tua, positiv und voller Regenbögen wie Kaas, zynisch und nachdenklich wie Maeckes, witzig und voller Punchlines wie Bartek. Mal entstehen im Prozess chaotisch-geniale Synergien, mal von künstlerischen Alleingängen geprägte Flickenteppiche, mal etwas Kluges, Schönes oder auch einfach etwas sehr Dummes. Mal ist eine brüchige Akustiknummer in Moll der Orsons-Hit der Stunde, dann wieder ein offensiv bassiges Club-Brett, mal trifft ihre Musik den Befindlichkeitsnerv einer ganzen Generation, mal das Zwerchfell, mal den Arsch.

Neben den markanten Drums und den immer wiederkehrenden Vocal-Loops gehören auch verfremdete, als Melodieinstrument verwendete Singstimmen zum Sound-Outfit von „What's goes“ – ein maßgeblich von Soundtüftler Tua gezimmerter musikalischer Rahmen, der das Album zu einem tatsächlichen Albumerlebnis im Sinne einer musikalischen Reise werden lässt; aber auch ein Rahmen, den die vier Beteiligten auf inhaltlicher Ebene nach allen Regeln der Kunst sprengen. Und so macht hier ein kluges, mit Chiffren gespicktes Stück über die Versuchung genauso Sinn wie eines über die Nettiquette der Scheißhausbenutzung, deshalb findet hier bitterer Zynismus und entwaffnende Selbstironie genauso selbstverständlich statt wie absurder Klamauk und offensives Wohlwollen.

Denn all das sind die Orsons. Schlau, musikalisch, cool, albern, nachdenklich, liebevoll, zynisch, absurd, ehrlich – und vor allem: einzigartig. Und mit „What's goes“ haben sie ihr Meisterwerk vollbracht.

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